27.4. - 19.5.2026 Santiago de Chile - Cachi

Veröffentlicht am 23. Mai 2026 um 15:56

Drei Tage benötigen wir, um wieder im Campingmodus anzukommen und alles so eingerichtet ist, wie wir es haben möchten. Zudem ist es herrlich warm und sonnig hier, obwohl es abends extrem abkühlt und die Nacht mit etwa 4° so richtig kalt wird. Schon die erste Nacht sind wir froh um unsere neu erworbenen Schlafsäcke für Nächte bis – 5° Celsius.

Tagsüber befassen wir uns mit Planung, Blog schreiben und süssem Nichtstun. Zwischendurch haben wir das Vergnügen, auf den platzeigenen Tennisplätzen das eine oder andere Spiel zu verfolgen. Eine brasilianische Familie mit drei Kids, Levin, Elena, und Lina, campiert direkt neben uns. Tina unterrichtet die Kinder im Home Schooling und Patric arbeitet im Home Office. Eine sehr nette Begegnung!

Bevor wir losfahren, erhalten wir aus Paraguay die Nachricht, dass unser Van auf dem Camping in Paraguay abgeholt wird und zeitgleich mit uns auf die weite Reise geht. Wir sind ja gespannt, wer zuerst wieder in der Schweiz ankommt...

 

Karge, trockene Weiten und ab und zu bewässerte, angepflanzte Flächen säumen die wenig befahrenen Landstrassen. Anstelle der überfüllten Ruta 5 fahren wir lieber über die gut 1'000 Meter hoch liegenden Hügelzüge, wo wir einen grandiosen Weitblick geniessen und schliesslich die ersten weissen Gipfel der Anden entdecken.

Etwa 150 km nördlich von Santiago finden wir einen weiteren, netten Campingplatz. Das Besitzerpaar ist sehr liebenswürdig. Isabel bringt uns sogar je eine Portion „Pastel de choclo“, ein typisch chilenisches Gericht.

Wir bleiben zwei Tage hier und entscheiden uns, als erstes über den Paso Los Libertadores nach Argentinien zu reisen.

 

Bei stahlblauem Himmel starten wir in den Tag. Auf gut 700 Meter über Meer beginnt unsere Fahrt und wir bewegen uns bei wenig LKW-Verkehr die insgesamt 25 Serpentinen den Berg hinauf bis auf gut 3'200 Meter Höhe. Die Grenzformalitäten für die Ausreise aus Chile und gleichzeitig die Einreise in Argentinien ziehen sich etwas in die Länge. Wir besitzen erst etwa in 4 – 6 Wochen das Papier, welches uns als Eigentümer des Campers ausweist. Damit wir trotzdem bereits nach Argentinien reisen können, mussten uns die bisherigen Besitzer eine Vollmacht/Bewilligung ausstellen, welche auch notariell beglaubigt werden musste. Dank netten Grenzbeamtinnen klappt es dann irgendwann doch und wir können losfahren.

Was auf der chilenischen Seite steil aufwärts geht, führt uns jetzt auf der argentinischen Seite sanft und langgezogen dem Rio Las Cuevas entlang hinunter nach Uspallata. Das riesige Flussdelta ist beeindruckend und die Berge rundum zwar kahl und steinig, aber farbig und abwechslungsreich. Uns gefällt es!

In Uspallata füllen wir unsere Vorräte auf und bleiben hier für eine Nacht auf einem Campingplatz, inmitten von herbstlich verfärbten Bäumen auf einer Höhe von gut 1'900 m.

 

 

Es ist herrlich, jeden Morgen bei wolkenlosem Himmel erwachen zu können. Es fühlt sich zwar ziemlich kalt an, aber mit Sonneneinwirkung ist es sofort angenehm zum im Freien frühstücken!

Am sich durch die Felsen schlängelnden Rio Mendoza entlang fahren wir etwa 1'200 Höhenmeter das Tal hinunter, durch zwar nackte Felsen und pure Geröllhalden, welche sich aber farbenfroh zeigen.

Beim Stausee des Rio Mendoza vertreten wir uns die Beine und bei den Termas de Cacheuta bestaunen wir, wie die Grilladen für das Mittagessen vorbereitet werden.

Mendoza, eine Stadt in der argentinischen Region Cuyo, liegt im Zentrum des Weinbaugebietes von Argentinien, das vorwiegend für den Anbau von Malbec bekannt ist, auf etwa 750 m Höhe liegt und eigentlich eine grosse Oase in der Buschsteppe ist.

Trotz knapp 1 Mio. Einwohnern im Ballungsraum, kommt uns Mendoza nicht wie eine übliche Grossstadt vor. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass wir am 1. Mai (Tag der Arbeit) hier sind, wo viele Menschen das lange Wochenende ausserhalb der Stadt verbringen. Jedenfalls geniessen wir die Ruhe und Gelassenheit hier und verköstigen uns mit einem erstklassigen Rinderfilet vom Holzkohlengrill, dessen Reste uns noch für ein weiteres Abendessen ausreichen ;-)

Eine Führung mit Weindegustation beim Bodega „Ojo de Agua“ von Dieter Meier bleibt uns verwehrt, weil alles schon ausgebucht ist. Trotzdem fahren wir in das ziemlich abgelegene Weingut, das auf etwa 1'000 m an einem atemberaubenden Ort liegt - mit Blick in die Anden. Der Abstecher lohnt sich!

Wir „vertrösten“ uns mit der kleinen „Posada Cavieres Wine Farm“, welche uns ebenfalls mehrfach empfohlen wurde. Nach einem herzlichen Empfang geniessen wir hier die Ruhe und die einmaligen Herbstfarben in den Reben.

 

Knapp 300 km nördlicher, ausserhalb von San Juan richten wir uns für zwei Tage auf einer Farm mit Campingplatz ein. Die Anlage mit extrem vielen Kleintieren ist beinahe mit einem kleinen Zoo vergleichbar, reizend. Heute besuchen zwei Gruppen mit je etwa 25 Kindern eines Kindergartens den Bauernhof. Es macht Spass zuzuschauen, wie sich die Kinder freuen und den Plausch haben, die kleinen Kaninchen, Kücken oder Gänse zu füttern :-)

Bei diesem Aufenthalt erledigen wir noch die Wäsche und kaufen Lebensmittel ein. Auf meine Frage an eine gesprächige Kindergärtnerin, wo ich in der Stadt Dollars wechseln könnte, ruft sie ihren Bruder in der Stadt an, wo wir wenig später hinfahren und zu einem guten Wechselkurs zu Argentinischen Pesos kommen. Es ist doch immer wieder gut, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen!

Warum wechseln wir Dollars? Aus den Geldautomaten in Argentinien sind nur sehr kleine Beträge möglich abzuheben und die Gebühren sind extrem hoch, dass es sich überhaupt nicht lohnt.

An der Tankstelle (1 L Benzin kostet hier CHF 1.26) beobachten wir erneut, dass hier in Argentinien sehr viele „Schrottautos“ im Verkehr sind, welche zum Vergleich in Chile kaum zu sehen sind.

Heute liegt ein langer Weg vor uns. Wir fahren mehrheitlich die Ruta 40 gegen Norden, entscheiden uns dann aber bald für eine Route, welche über die Berge führt bis zum Nationalpark Talampaya.

Gegen Mittag kommt starker Wind auf, was der „Zonda“ ist, wie bei uns der Föhnwind. Beim kurzen Anhalten kann die Türe nur mit viel Kraftaufwand geöffnet werden. Der Wind ist extrem stark und die Luft staubig, so dass man kaum in die Ferne sieht. Ich, als „Schisshase“ bekannt, bekomme bereits feuchte Handflächen und sehe in Gedanken schon den vom Wind umgekippten Camper... Augen zu und durch!!

Über den knapp 1'500 Meter hohen Bergeinschnitt ist der Wind weniger stark, macht uns jedoch auf der anschliessenden Ebene erneut zu schaffen. Endlich kommen wir im Camping beim Nationalpark Talampaya an. In der Nacht ist es sozusagen windstill und wir schlafen herrlich.

Heute buchen wir eine Tour in die Schluchten des NP Talampaya. Leider kann die Schlucht nur mit Führer gebucht werden. Unser Vorhaben, die Tour mit einer inkludierten Wanderung zu buchen, geht leider nicht, weil wir über 65-jährig sind :-(  So gemein!

Die imposanten, über 150 Meter hohen, roten Felsen können wir trotzdem bewundern und geniessen die Gesellschaft der lustigen argentinischen Reisegruppe. Wir sehen auf der Rückfahrt einige Guanacos, welche bis auf etwa 3'000 Metern Höhe leben, ähnlich den Vicuñas, denen  man erst auf etwa 4'000 Metern begegnet. 

In der Nacht, ist es trotz Halbmond tiefdunkel und das Sternenmeer umso eindrücklicher!!

Die erste Nacht im Camping (ca. 1'500 m Höhe) war übrigens mit Zonda-Einfluss beinahe 20° warm, während die zweite Nacht dann näher bei 0° war.

 

Auf der heutigen Etappe von knapp 400 km, fahren wir teils x km-lange schnurgerade Strecken durch die öde Buschsteppe, dann als Abwechslung wieder über eine grüne Hügellandschaft auf über 2'000 m Höhe. In Belén machen wir nach etwa sieben Stunden Unterwegssein halt und geniessen das Kochen und Essen bei letzten Sonnenstrahlen. Wir faulenzen einen weiteren Tag und arbeiten am Blog, bearbeiten Fotos und planen die nächsten Etappen.

 

Auch heute gibt es keine Hetzerei. Gemütlich frühstücken und in der Kleinstadt einkaufen, auftanken und los geht es. Über die Ruta 40 fahren wir weiter nordwärts und richten uns etwa drei Stunden später auf einem gemütlichen Campingplatz in Santa Maria ein, wo wir auch wieder die einzigen Gäste sind. Die Besitzerin gönnt uns die Ruhe, weil wie sie erzählt, im Sommer alles voll ist mit einheimischen Familien, welche sich hier in den zwei Pools und auf den schattigen Grillplätzen tummeln.

 

Gegen Mittag brechen wir auf und besuchen bereits gut 20 km weiter das Pachamama-Museum. Zu sehen sind hier zum Beispiel ein massstabgetreues Modell der Calchaquí-Täler, Modelle indigener Behausungen und Gebrauchsgegenstände der Tafí-Kultur. Im grossen Innenhof befinden sich Skulpturen von Pachamama (Mutter Erde), Inti (Sonnengott), Quilla (Mondgöttin) und vieles mehr, alles aus Steinen der Region gefertigt.

 

Die Fahrt ins abgelegene Tafi del Valle, wo es gestern noch geschneit hat, ist sehr abwechslungsreich und führt uns über den Gebirgspass „El Infiernillo“ auf 3'042 Meter Höhe, der höchstgelegene, befahrbare Punkt in der Provinz Tucumán, wo die Heimat einiger weniger Familien von Lama- und Schafhirten ist und das Tafi-Tal mit den Calchaquí-Tälern verbindet. Die Aussicht ist gewaltig und der tiefblaue Angostura-Stausee ist aus weiter Distanz bereits sichtbar.

 

 

Der kleine Provinzort Tafí del Valle mit seinen vielen Shops und Restaurants ist definitiv auf die Hochsaison ausgerichtet. Überall warten die Geschäftsbetreiber auf Kundschaft, welche jedoch in der jetzigen Nebensaison grösstenteils ausbleibt. Bei tagsüber angenehmen 20 – 25° Wärme, kühlt es sofort extrem ab, sobald die Sonne untergeht.

Wir nutzen das super Wetter für eine Wanderung zum See und für einen Besuch beim „Reserva Arqueológica de Los Menhires“. Im kleinen Dorf El Mollar geniessen wir einige Empanadas als Zwischenverpflegung, bevor wir mit einem total überfüllten Sammelbus zu einem Spottpreis zurück nach Tafi fahren. Im Bus sind wir die einzigen Nicht-Argentinier und werden entsprechend gemustert und ausgefragt. Unglaublich herzlich diese Leute!

Seit Mendoza fällt uns auf, dass die Argentinier von 13.00 – 18.00 Uhr Siesta machen, die Mehrheit der Geschäfte in dieser Zeit geschlossen sind und keine Menschenseele auf der Strasse ist. So ab 20.00 Uhr kommt wieder Leben auf und auch die Restaurants öffnen langsam wieder. Eigentlich wie in Südspanien :-)

 

Am nächsten Morgen fahren wir wieder über den Pass zurück und bewundern die Landschaft talauswärts. Etwas abseits der Ruta 40 besuchen wir auf der Durchfahrt die „Ruinas de los Quilmes“, eine prähistorische Ausgrabungsstätte, welche  uns zusätzlich mit einem erklärenden Video näher gebracht wird.

 

Die nun folgende Strecke nach Cafayate mit grossen Weinanbauflächen und wunderschön gelegenen Bodegas präsentiert sich als Augenweide.

 

Der bekannte Weinbauort Cafayate mit seinen etwa 20'000 Einwohnern hat ein mildes, trockenes Klima mit 360 Sonnentagen, liegt auf 1'683 m und ist ein vielbesuchter Touristenort. Dementsprechend findet man hier unzählige Unterkünfte und Restaurants.

In vielen Kellereien kann das Markenzeichen Cafayates, der prämierte Weisswein aus der Torrontés-Traube, degustiert werden. Auch wir besuchen eine Degustation auf dem Weingut Lavaque und kommen nicht mehr ganz nüchtern aus den Weinkellern ;-)

 

Wir bleiben im sonnigen Cafayate und verbringen weitere zwei Tage hier. Grund dafür ist die Eishockey-WM. André freut sich seit Wochen auf diese Spiele. Wir haben gutes Internet und Ruhe auf dem Campingplatz. Mit einem Coiffeur-Besuch bereitet sich André auf die ihm so wichtigen ersten Spiele vor ;-) Nervös, aber mit Vertrauen in die Schweizer-Mannschaft geniesst er das erste Spiel. 

In Cafayate fällt uns ganz besonders auf, dass keine Strassenhunde hier sind. Falls es welche hat, werden diese gefüttert, gepflegt, kastriert und zur Adoption angeboten.

Mit grosser Wäsche und einem Besuch des Friseurs meinerseits, schlage ich die Zeit tot, während André das zweite Spiel anschaut. Beide Spiele hat die Schweiz gewonnen, die Hockey-Welt ist in Ordnung!

 

Gleich nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg Richtung Cachi. Obwohl wir gemäss Google Maps mehr als 4 Stunden für die 165 km brauchen, habe ich nicht auf dem Radar, dass wir heute weit mehr als 100 km Ripio (Schotterstrasse) zu bewältigen haben. Es ist ein super Spektakel, über die legendäre Ruta 40 durch das Valle Calchaquí zu fahren. Die schmale, staubige Strasse schlängelt sich durch einen beeindruckenden Canyon hindurch. Die Quebrada de las Flechas (Pfeilschlucht) verdankt ihren Namen den spitzigen, schräg in den Himmel ragenden Felsen. Die Bevölkerung in den kleinen Dörfern auf der Strecke lebt hauptsächlich vom Anbau von Paprika, Weinbau und Viehzucht und wohnt noch sehr einfach in Lehmhäusern.

Endlich in Cachi auf dem Camping angekommen, sind wir ganz schön müde von der langen, unruhigen und sehr abenteuerlichen Fahrt.

Cachi, das schmucke Dorf mit gut 2'000 Einwohnern, liegt auf etwa 2'400 Meter Höhe. Die weissen, niederen Häuser sind alle im Kolonialstil erbaut und die kleinen Bistros in den Gassen laden zum Einkehren und Verweilen ein. Tagsüber wird es richtig warm und nachts kühlt es extrem ab. Mit einer vom Atlantik beeinflussten Kaltfront kann es in den nächsten Nächten bis – 8° werden.

 


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