Direkte Nachbarn vom Campingplatz sind Schweizer, welche wir am Ersthilfekurs getroffen haben. Der Einladung, ihr Grundstück zu besichtigen, sind wir gerne gefolgt. Falls wir noch länger hier ausharren müssen, gehen wir dann bei den Bernern Stefan und Monika einen Jass klopfen.
Am Sonntag lädt Astrid zu einem „Mädels“-Ausflug ein. Wir besuchen das imposante, alte Kloster Castillo Marianela ausserhalb Atyra, den einheimischen Ledermarkt in Atyra und schliesslich die 10'000-Seelen-Kleinstadt San Bernardino, kurz San Be. Diese wurde 1881 als deutsche Kolonie gegründet und hiess ursprünglich Nueva Baviera (Neubayern). Hier am See besitzen viele wohlhabende Paraguayer ein Ferienhaus und zahlreiche deutsche Auswanderer haben sich hier niedergelassen. An Sommerwochenenden strömen bis zu 20'000 Gäste nach San Bernardino, das sich auch als Capital del Verano (Hauptstadt des Sommers) bezeichnet.
Endlich trifft unser Stecker ein! Bei der Probefahrt wieder das gleiche Szenario. Am nächsten Morgen sind wir mit dem Techniker unserer Schweizer Werkstatt in Kontakt. Er geht mit Chris alle möglichen Schritte durch und es wird weiter getestet und getüftelt.
Das Problem ist inzwischen gemäss Techniker eher bei der AdBlue Versorgung.
Ein neuer Gast trifft im Camping ein. Alex, ein junger Deutscher, mit dem Motorrad unterwegs, ist versiert in Sachen IT und bringt sich extrem stark in unser Problem ein. Dank KI kommt er an die Information, dass wir zwei Updates bei der Motor-Software nicht haben, welche genau unsere Probleme beinhalten und bei einigen Fahrzeugen mit dem selbem Jahrgang vielfach auftauchte. Wir sind jetzt mit unserem Händler und der Softwarefirma in Kontakt, um irgendwie an dieses Update zu kommen. Wenn wir Glück haben, sind alle angezeigten Fehler nach dem Software-Update behoben. Wir hoffen...
Die Citroën Schweiz kann uns nicht helfen und wir erhalten keine zeitnahe Antwort vom Werk. Die Citroën-Vertretung in Asunción weist uns bei einer schriftlichen Anfrage vorerst ab mit der Begründung, dass sie keinen Zugang zu europäischen Fahrzeugen haben. Unsere Recherche ergibt, dass aber genau diese Vertretung eine offizielle Werk-Vertretung ist, also fahren wir mit Chris' Fahrzeug nach Asunción, damit wir persönlich vor Ort das Problem diskutieren können. Bei der zweiten Anlaufstelle fruchtet dann unsere Anfrage. Sie bieten uns einen Termin für den 3. März an, damit sie die erforderliche Software überspielen können. Zuerst müssen sie jetzt den Software-Zugang bei Citroën Paris anfordern, was jedoch kein Problem sein sollte.
Für einen Coiffeur-Termin in Caacupé nehme ich den Ortsbus. Satte 50 Minuten warte ich auf den Bus, welcher in der Regel alle 10 Minuten fährt. Den Termin beim Friseur verpasse ich dadurch natürlich um eine halbe Stunde, was aber keineswegs ein Problem ist, da ich trotz Verspätung noch eine weitere halbe Stunde warten muss ;-)
Zur Abwechslung fahren wir am Sonntag mit der Familie nach San Be zum Nachtessen und zum Sonnenuntergang. Ein geselliger Ausflug mit vielen Lacheinheiten...
Nun wird also unser Van am frühen Morgen des 3. März ins 50 km entfernte Asunción abgeschleppt. Kostenpunkt 1'000'000 Paraguayische Guaranis = 120 CHF.
Die Software ist bald auf unseren Van übertragen und die bisherigen Fehler sind in der Folge tatsächlich alle eliminiert. Bei der Probefahrt stellt jedoch der Motor wieder ab und eine neue Fehlermeldung erscheint. Der Techniker vor Ort erklärt uns, dass die Messungen zeigen, dass extrem schlechter Diesel im Tank ist und wir das Pech haben, dass sich die „Dieselpest“ ausgebreitet hat. Auch der neu eingesetzte Dieselfilter ist bereits wieder schleimig dreckig und muss erneut ersetzt werden. Zum Glück haben wir noch einen Ersatz dabei, weil dieser sonst in Argentinien hätte bestellt werden müssen. Die Dieselpest ist ein Pilz (entsteht durch schlechten Kraftstoff und langes Stehen), der sich im Tank und in allen Leitungen ausbreitet, was voraussetzt, dass der Tank entleert und gereinigt werden muss, alle Leitungen (gemäss Chris bis 30 Meter Leitungen) gereinigt werden müssen und schlimmstenfalls auch die Hochdruckpumpe ausgetauscht werden muss. Warten ist angesagt...
Am dritten Tag in Asunción verspricht endlich eine Probefahrt Hoffnung. Kein Abstellen des Motors und keine neue Fehlermeldung! Eine weitere Probefahrt verschlägt unsere ganze Moral wieder – erneut das selbe Szenario!! Also muss nun auch die Kraftstoffpumpe ersetzt werden. Wieder einen weiteren Tag mit Warten verbringen...
In Asunción, für Paraguayer „Asu“, ist es um die 40 Grad, was nicht gerade die Wunschtemperatur für einen Stadtbummel ist. Trotzdem besuchen wir wenigstens den Palacio de Lopez, den Plaza de Armas und das Panteon de los Héroes. Zum Abkühlen lassen wir uns in eines der neuen Einkaufszentren bringen, wo wir uns dann verweilen, bevor wir uns jeweils ein Hotel für die Übernachtung suchen. Auf den zahlreichen Uber-Fahrten sehen wir wenigstens auch etwas von der Stadt :-)
In Paraguay trägt jeder oder mindestens eine Person einer Gruppe einen Tereré-Behälter mit sich rum. Tereré ist Mate, eine Art Tee, aber aufgegossen mit Eiswasser und mit verschiedenen Kräutern, jedoch mehrheitlich mit Minze, da diese kühlend wirkt. Diese Erklärung gibt uns ein gesprächiger Taxifahrer ab, während wir im Stau stehen.
Bereits ist es wieder Nachmittag des vierten Tages in der Hauptstadt. Wir warten in der Garage-Lounge auf Bescheid, wie die Tests und die Probefahrt mit der neuen Kraftstoffpumpe ausgegangen sind. Wir erfahren, dass der Motor nicht mehr abstellt, die Motorleuchte jedoch noch aufleuchtet, was mit der Reinigung der Injektoren behoben sein sollte. Wir wollen diese in Caacupé reinigen lassen, weil es uns hier zu lange dauert. Am nächsten Morgen fahren wir voller Freude los und es fühlt sich sehr gut an, wieder unterwegs zu sein. Nach gut 20 km Fahrt stellt doch tatsächlich der Motor ein erstes Mal wieder ab, was sich dann noch wiederholt und wir stehen erneut vor einem Rätsel. Mit ungutem Gefühl fahren wir direkt zum Camping zurück und sind froh, heil hier anzukommen.
Gleich am Montag fahren wir zum Injektoren-Spezialisten und überlassen ihm voller Vertrauen unseren Camper. Kurz vor dem Eindunkeln sind die reparierten Injektoren eingesetzt und wir können „nach Hause“ fahren. Der Van läuft wie neu, ohne Ruckeln und ohne Fehlermeldung – welche Freude!
Auf dem Campingplatz angekommen, riecht es extrem nach Diesel, im Motorbereich raucht es und es läuft Diesel wie aus dem Hahnen auf den Rasen. Was ist denn jetzt wieder los? Chris sieht sich das Problem an und stellt fest, dass vermutlich ein Dichtungsring fehlt und zwei Schrauben noch locker sind.
Gleich am nächsten Morgen fahren wir zurück in die Werkstatt. Unser Diagnosegerät zeigt an, dass Injektor 1 defekt ist! Das Anwenden von Wasser und Druckluft mit noch vorhandenem Diesel hat vermutlich den Injektor-Stecker geschlissen. Also muss dieser erneut repariert werden!
Vor Feierabend wollen wir den Camper abholen, aber es geht noch gar nichts, weil sie das Problem nicht lösen können! Der Van ist nicht fahrtüchtig, also bleibt dieser über Nacht in der Werkstatt.
Uns steht nun eine Übernachtung im Wintergarten am Boden bevor, wo wir den Umständen entsprechend gut schlafen.
Am nächsten Tag um 16 Uhr erhalten wir die Nachricht, dass wir den Van abholen können. Wir sind ja gespannt, wie heute das Resultat aussieht...
Wieder fahren wir kurz vor dem Eindunkeln zurück und sind nicht allzu überrascht, dass wieder der Motor ausgeht. Ich muss gestehen, dass ich heute Abend das erste Mal moralisch am Boden bin und mich neu motivieren muss...
Nach einer beinahe schlaflosen Nacht verspricht uns der Injektor-Mechaniker, dass er die Injektoren bei uns abholt und diese nochmals reinigt. Wie es so ist in Südamerika, kommt dieser erst kurz vor Feierabend, also bringt er diese vermutlich auch am nächsten Tag wieder erst spät zurück, wenn überhaupt. Wir warten auf diese für uns letzte Chance, dass dann unser Problem endlich behoben ist. Wieder einmal eine Übernachtung in der Werkstatt ist uns gesichert!
Auch diese letzte Chance scheitert! Der Injektor-Mechaniker will aber unbedingt, dass er das Auto wieder zum Laufen bringt, auf seine Kosten natürlich. Er kommt nach dem Wochenende wieder und holt die Injektoren erneut ab!
Trotz laufendem, allerletztem Versuch schwindet das Vertrauen zum Van, sodass wir uns am Wochenende zu einem Rücktransport in die Schweiz entscheiden. Wir holen drei Offerten ein und warten wieder einmal mehr; diesmal auf ein umsetzbares Angebot.
Zwei Tage regnet es beinahe ununterbrochen. Die Temperaturen fallen zusehend, was sehr angenehm ist. Das viele Regenwasser bahnt sich seinen eigenen Weg, sodass die Anlage bald wie ein Flussbett aussieht. Die Feuchtigkeit bleibt noch über Tage in der Luft hängen, was mit der wieder zunehmenden Hitze sehr unangenehm wirkt.
Die Injektoren sind erneut gereinigt und mit einem neuen Teil versehen worden. Die gute Nachricht: diesmal zeigen während der Probefahrt alle vier Injektoren denselben Wert, womit also dieses Problem gelöst wäre. Die schlechte Nachricht: der Motor kommt erneut in den Notlauf und die Fehlermeldung ist identisch mit der allerersten im September 2025 und weitere kommen dazu... bei uns kommt der Verdacht auf, dass das Software-Update nicht seriös durchgeführt wurde!
Jetzt stellen wir definitiv den Riegel!! In der Schweiz kann dann der Händler weiter diagnostizieren...
Gut, dass wir die Entscheidung für den Rücktransport in die Schweiz bereits anfangs Woche getroffen haben. Das achte Wochenende in Paraguay steht vor uns und das Ende der Warterei ist noch nicht in Sicht. Wir möchten aber klarstellen, dass es uns gut geht, wir die ganze Sache relativ locker nehmen und vorwärts schauen :-)
Wie und wann der Rücktransport unseres Campers über die Bühne geht, erzähle ich im nächsten Blog.
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Kommentare
Ach was für ein Ärger. Das ist ja nicht was man möchte. Ich wünsche euch viel Geduld und trotz dem Ärger eine gute Zeit.