Mit einem lachenden, aber auch einem weinenden Auge sehen wir der Fortsetzung unseres Panamericana-Abenteuers entgegen.
Unser Heimaturlaub hat uns ganz klar gezeigt, dass wir unsere Familie und Freunde in unserer Abwesenheit mehr vermisst haben als unterwegs angenommen.
Die Familie vermissen wir gewiss schon beim Abheben des Flugzeuges :-(
Trotzdem ist unsere Vorfreude auf Teil 2 unserer Reise gross, wir sehen gerne unseren weiteren Begegnungen und Eindrücken entgegen und freuen uns auf noch mehr Naturschönheiten.
Als letzte Aktivität in der Schweiz besuchen wir mit der Familie noch ein Eishockeyspiel (SC Langnau : SC Bern) und haben trotz Niederlage des SCL grossen Spass.
Am 29. Januar finden wir uns bereits am Nachmittag in Kloten ein und bereiten uns auf den Abflug vor.
Alles verläuft ohne Probleme und in Madrid essen wir noch eine Kleinigkeit, bevor wir für den langen Flug nach Paraguay einsteigen können.
Durch die letzten Abschlussvorbereitungen wie Waschen, Aufräumen, Entsorgen, Gepäck nochmals kontrollieren usw. sind wir müde genug um im Flugzeug ein paar Stunden zu schlafen.
Der Migrationsschalter in Paraguay wird südamerikanisch bedient, verläuft daher etwas harzig, aber sonst problemlos. Chris empfängt uns herzlich in der Ankunftshalle und wir fahren gleich los in Richtung Caacupé zum Campingplatz. Es ist hier übrigens 38 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 90%.
Auf der Fahrt erklärt uns Chris, dass wir ein Problem mit unserem Van haben. Am Vortag, als er den Van für uns an einen idealen Standort fahren wollte, war die Batterie leer und reagierte nicht mehr. Nachdem die Starterbatterie ja in Peru bereits zweimal total entladen war, ist es nun soweit, diese zu ersetzen. Also fahren wir gleich zu einem entsprechenden Shop. Die halbe Stunde, welche wir auf die Batterie warten sollen, füllen wir mit einem Einkauf der nötigsten Lebensmittel. Leider steckt die bestellte Batterie irgend in einem Bus fest. Uns wird versprochen, dass diese um zwei Uhr nachmittags abholbereit sei.
Also fahren wir vorerst mal zum Campingplatz und begrüssen die Familie, reihen die mitgebrachten Ersatzteile in der Garage auf und ruhen uns etwas aus. Später fahren wir wieder in die Stadt. Die Batterie ist wohl angekommen, aber ein falsches Modell. Also heisst es warten bis morgen vormittag. So werden wir gleich wieder eingeführt in die südamerikanischen Verhältnisse.
Die Einladung zum Nachtessen im Kreise der Familie nehmen wir dankend an. Nachdem unser Van ziemlich schief steht und nun auch noch die Lithiumbatterie Probleme macht und wir dadurch keinen Strom/Licht haben, können wir das gestern frei gewordene Ferien-Zimmer beziehen. Die Klimaanlage hilft uns bei der Akklimatisierung an das heisse Klima :-)
Ausgeruht starten wir in den neuen Tag. Chris holt die Batterie, während wir frühstücken.
Die gute Nachricht – die Batterie funktioniert nach dem Einbau, die schlechte Nachricht – keine Ahnung, warum nun die Lithiumbatterie entladen ist.
So geht Chris ans Werk und arbeitet die zusammengetragene To-Do-Liste ab. Immer wieder taucht ein kleineres oder grösseres Problem auf, für welches Chris immer wieder eine Lösung findet.
Das vor unserer Reise bereits erkannte Problem, dass unser Van in den Notlauf kommt, Motor sofort abstellt und nichts mehr geht, will Chris nun den Fehler mit den mitgebrachten Teilen wie Ventil und Sensor beheben. Auf der Probefahrt wieder Notlauf! Mit Unterstützung von Google, KI und eingeholten Meinungen anderer Mechaniker, tüftelt Chris weiter und weiter indem er alles Mögliche probiert. Bei jeder Probefahrt wieder Notlauf – zum Verzweifeln. Chris kommt zum Schluss, dass es nun definitiv nur noch am Stecker des Druckregelventils liegen kann. Hier lässt sich dieser jedoch unmöglich finden!
Bald ist bereits eine Woche verstrichen und wir entscheiden uns, in der Schweiz einen PSA-Original-Stecker zu bestellen und per DHL-Express nach Paraguay schicken zu lassen. Nun heisst es 5 – 8 Tage warten auf das Teil.
In der Zwischenzeit wollen wir die Iguazú Wasserfälle am Dreiländereck Paraguay-Argentinien-Brasilien besuchen. Das Wochenende steht an. Wir fahren trotzdem, nachdem uns die Wetterapp super Verhältnisse verspricht. Der gemietete Kleinwagen wird am Mittag auf den Campingplatz geliefert und wir können kurz darauf losfahren.
Knappe 300 km geradeaus gegen Osten liegen vor uns. Die Landschaft reisst uns nicht vom Hocker und auch sonst ist unterwegs nicht viel Sehenswertes. Vielfach sind grosse Felder zu sehen, wo momentan Getreide geerntet wird; ist ja auch Hochsommer hier! Nach etwa 3 Stunden sind wir kurz vor der Grenze zu Brasilien. Der Verkehr nimmt zu und fängt an zu stocken. Den Grenzübergang müssen wir mit mehr als 5 Stunden Warterei im Auto oder an den Migrationsschaltern mehr als verdienen und kommen spät in Foz de Iguaçu an, wo wir nach einer erfrischenden Dusche doch noch ein Nachtessen geniessen können.
Ausgeschlafen und voller Motivation starten wir in den Tag. Zwei Busfahrten und gute zwei Stunden später stehen wir vor den Wasserfällen. Soweit das Auge reicht, reiht sich ein Wasserfall an den anderen und hier und da schäumt und stäubt das Wasser tosend in die Tiefe. Ein wahres Schauspiel der Natur! Ein kleiner Wanderweg führt direkt an den Abgrund des grössten Wasserfalls und die kühlenden Wasserspritzer nehmen wir bei Temperaturen von knapp 40 Grad gerne entgegen.
Den zweiten Tag nutzen wir, um die Wasserfälle von der Argentinienseite zu bewundern.
Dank privilegiertem Durchlassen der Touristenfahrzeuge müssen wir nur kurze Zeit warten an der Grenze. Für Touristen, welche am selben Tag wieder nach Brasilien zurückfahren, gibt es keinen Einreise- bzw. Ausreisestempel, was die Durchfahrt des Grenzüberganges beschleunigt.
Die Iguazú-Wasserfälle sind mit einer Breite von 2,7 km und bis zu 82 m Höhe eines der spektakulärsten Weltnaturerbe der UNESCO. Über 270 Cataratas (Fälle) stürzen hier in die Tiefe, darunter der grösste, U-förmige und sehr beeindruckende „Teufelsschlund“ Garganta del Diablo. Etwa 80% der Fälle liegen in Argentinien, 20% in Brasilien.
Wir nehmen übermässig viele Touristen wahr, was in der Hochsaison zu erwarten war...
Auf der Rückfahrt nach Brasilien schalten wir einen kurzen Halt ein beim Dreiländereck (Triple Frontera), wo der Rio Iguaçu in den Rio Paraná fliesst. Auf dem Bild rechts ist Brasilien, links Paraguay und im Vordergrund Argentinien zu sehen.
Diese eindrücklichen Erlebnisse lassen wir bei einem gemütlichen Nachtessen Revue passieren.
Den dritten Tag gehen wir ruhig an, denn die Hitze ist gross hier. Wir planen, den Parque de Aves, ein 5 ha grosses Vogelschutzgebiet zu besuchen. Der Park liegt mehrheitlich im schattigen Dschungel. In den riesigen, begehbaren Volieren sehen wir eine grosse Menge verschiedener Vögel, vom kleinsten Kolibri bis hin zu Flamingos. Ein einmaliges Erlebnis.
Am Rückreisetag fahren wir noch zum nahegelegenen Staudamm/Wasserkraftwerk Itaipú.
Eine riesige Anlage beim Brasilien-Paraguay-Grenzfluss Paraná. Nach über 10 Jahren Bauzeit und Kosten von beinahe 20 Milliarden USD, wurde das Kraftwerk 1984 in Betrieb genommen. Bei einer Panoramatour besichtigen wir das zweitgrösste und zugleich das leistungsstärkste Kraftwerk der Welt. Die Stauseelänge beträgt 170 km. Mit dieser Anlage werden 80% Stromverbrauch von Paraguay und 20% von Brasilien abgedeckt. Beide Länder sind am Projekt zur Hälfte beteiligt. Als Vergleich: bereits zwei der 20 Turbinen haben bei voller Auslastung mit je 700 m3/sek fast den gleichen Wasserdurchfluss wie die Iguazú-Wasserfälle!
Beim Eintreffen auf dem Campingplatz erfahren wir, dass unser Ersatzteil nun hier am Zoll eingetroffen ist. Bis Übermorgen sollte es endlich vor Ort sein.
Mit extrem teuren Einfuhrsteuern, weil vom Absender falsch deklariert, trifft der bestellte Stecker endlich ein. Chris macht sich sogleich an die Arbeit und die Probefahrt verspricht anfänglich Erfolg, jedoch geht der Motor bereits nach einigen 100 m wieder aus! Ein neuer Fehlercode leuchtet auf und macht uns erneut Sorgen. Einige weitere Tests und Probefahrten später bestellen wir wieder ein anderes Ersatzteil (NOx Sensor) und die Warterei geht wieder los. Bei einer Notfall-Anfrage direkt an das Citroën-Werk werden wir mit der alles andere als erwarteten Antwort „Wenden Sie sich an Ihren Händler“ abgespeist. Mit unserem Händler sind wir ja schon länger in Verbindung.
Die Tage verbringen wir mit Gesellschaftsspielen, Spanisch lernen, im Pool abkühlen, dank VPN-Verbindung die Winterolympiade verfolgen, die vielen Tiere auf dem Campingplatz „geniessen“. Die Schildkröten Sissi & Franzl, die Pferde Filo & Dakota, die Pitbulls Bambam, Toreto und Rubi, das Kapuzineraffenbaby Loki, die fünf Kätzchen sowie die zwei Kater und die vielen Hähne und Hühner, welche jeden Tag den Eierbedarf abdecken. Weiter kommen und gehen jeden Tag andere Reisende, mit denen wir uns unterhalten und austauschen. Die Abende sind immer im gemütlichen Kreis am grossen Tisch.
Da es hier Sommer ist, leiden wir etwas unter der grossen Hitze bei um die 40 Grad. Der laut Wetterapp jeweils versprochene, abkühlende Regen, fällt regelmässig aus. Diese Woche sind uns sogar bis 46 Grad versprochen!!
Alles gut und schön, aber wir haben eigentlich nur einen einzigen Wunsch, nämlich endlich den 2. Teil unseres Abenteuers starten zu können...
Einen Ausflug in die Hauptstadt Asunción lassen wir sein bei dieser Hitze und entscheiden uns für einen Nachmittagsausflug zum nahegelegenen Balneario Pinamar bei Piribebuy. Hier im Wasser zu sitzen und unter die kleinen Wasserfälle zu stehen bringt Abkühlung pur.
Die Freiwillige Feuerwehr von Caacupé führt hier auf dem Camping einen Ersthilfekurs durch. Wir melden uns spontan dazu an.
Immer wieder ziehen tagsüber Cumuluswolken auf, verziehen sich aber leider immer wieder. Doch endlich kracht eines Abends ein richtiger Regenguss über den Ort und kühlt innerhalb kurzer Zeit mehr als 10 Grad ab. Wir geniessen eine Nacht die kühleren Temperaturen, denn am nächsten Morgen heizt es gleich wieder auf.
Das Ersatzteil ist in den versprochenen 10 Tagen noch nicht eingetroffen und ein weiteres Wochenende steht vor uns...
Kommentar hinzufügen
Kommentare